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Hochstammbäume in der Schweiz: Fokus auf Kirschbäume

Hochstamm-Kirschbäume gehören seit Jahrhunderten zur Schweizer Kulturlandschaft. Sie liefern Kirschen, prägen das Landschaftsbild und können zahlreichen Tierarten einen wertvollen Lebensraum bieten. Gleichzeitig sind viele traditionelle Hochstamm-Obstgärten im Laufe der vergangenen Jahrzehnte verschwunden.

Heute werden Hochstammbäume deshalb nicht nur wegen ihrer Früchte geschätzt. Auch die Förderung der Biodiversität, die Erhaltung traditioneller Obstsorten und der Schutz der Kulturlandschaft spielen eine wichtige Rolle. Hier erfahren Sie mehr über Hochstamm-Kirschbäume in der Schweiz, ihre Geschichte, ihre ökologische Bedeutung und ihre Pflege.

Was ist ein Hochstamm-Kirschbaum?

Bei einem Hochstamm beginnt die Krone deutlich oberhalb des Bodens an einem ausgeprägten Stamm. Wie hoch dieser Stamm genau sein muss, hängt auch von der jeweiligen Definition und Nutzung ab.

Für Hochstamm-Feldobstbäume im Rahmen der Schweizer Biodiversitätsförderung gelten konkrete Vorgaben: Bei Steinobstbäumen wie Kirschbäumen muss die Stammhöhe mindestens 1,20 Meter betragen. Bei den übrigen Hochstamm-Feldobstbäumen sind mindestens 1,60 Meter vorgeschrieben.

Hochstamm-Kirschbäume können grosse, ausladende Kronen entwickeln und benötigen deshalb wesentlich mehr Platz als kleinere Baumformen.

Was ist der Unterschied zwischen Hochstamm und Niederstamm?

Niederstammbäume bleiben kompakter und erleichtern dadurch Pflege und Ernte. Dies ist ein wichtiger Grund, weshalb kleinere Baumformen im modernen Erwerbsobstbau weit verbreitet sind.

Bei Hochstammbäumen liegen die Früchte dagegen teilweise mehrere Meter über dem Boden. Die Ernte ist entsprechend aufwendiger. Dafür können grosse und insbesondere alte Hochstammbäume ökologisch besonders interessant sein. Baumhöhlen, Rindenstrukturen, grosse Kronen und Totholz bieten verschiedenen Tierarten Lebensraum.

Hochstamm-Kirschbäume haben in der Schweiz Tradition

Obstbäume waren während Jahrhunderten ein fester Bestandteil der bäuerlichen Landwirtschaft. Unter den grossen Baumkronen konnten Wiesen und Weiden genutzt werden, während die Bäume gleichzeitig wertvolle Früchte lieferten.

Auch Kirschbäume spielten dabei eine wichtige Rolle. Kirschen wurden frisch gegessen oder zu Konfitüren, Säften, Backwaren und anderen Lebensmitteln verarbeitet. Besonders bekannt ist die Verwendung für Kirsch beziehungsweise Kirschwasser.

Bis heute prägen Hochstamm-Obstgärten verschiedene Regionen der Schweiz. Besonders während der Kirschblüte sind grössere Bestände ein markanter Bestandteil des Landschaftsbildes.

Warum sind Hochstamm-Kirschbäume ökologisch wertvoll?

Ein Hochstamm-Obstgarten ist weit mehr als eine Fläche zur Produktion von Obst. Vor allem ältere Bäume können zusammen mit Wiesen, Hecken und weiteren naturnahen Strukturen wertvolle Lebensräume schaffen.

  • Vögel: Baumhöhlen und grosse Kronen bieten verschiedenen Arten Brut-, Nahrungs- und Rückzugsmöglichkeiten.
  • Insekten: Die Blüten liefern im Frühling Nahrung. Rinde, Holz und Totholz bieten zusätzliche Lebensräume.
  • Fledermäuse: Spalten und Höhlen in älteren Bäumen können als Verstecke genutzt werden.
  • Weitere Wildtiere: Strukturreiche Obstgärten bieten vielen Tieren Nahrung, Deckung und Rückzugsmöglichkeiten.

Besonders wertvoll sind alte Bäume mit natürlichen Höhlen, Rissen oder Totholz. Entscheidend ist aber auch die Umgebung. Ein Hochstamm-Kirschbaum innerhalb einer vielfältigen Wiese mit Hecken und weiteren Strukturen besitzt ein anderes ökologisches Potenzial als ein einzelner Baum auf einer intensiv genutzten Fläche.

Hochstammbäume und die Vielfalt alter Obstsorten

Hochstamm-Obstgärten können auch zur Erhaltung der Sortenvielfalt beitragen. Über viele Generationen wurden in den verschiedenen Regionen der Schweiz Obstsorten angebaut, die sich in Geschmack, Reifezeit, Verarbeitung und weiteren Eigenschaften unterscheiden.

Ein Teil dieser traditionellen Sorten ist heute selten geworden. Ihre Erhaltung ist nicht nur aus kulturhistorischer Sicht interessant. Eine grosse genetische Vielfalt kann auch für die zukünftige Züchtung und Anpassung des Obstbaus von Bedeutung sein.

Allerdings gilt: Nicht jeder Hochstammbaum trägt automatisch eine alte Sorte. Auch moderne Sorten können auf Hochstämmen wachsen.

Wirtschaftliche Bedeutung der Hochstamm-Kirschbäume

Die Bewirtschaftung grosser Kirschbäume ist arbeitsintensiver als bei niedrigeren Baumformen. Besonders die Ernte kann aufgrund der Höhe einen erheblichen Aufwand verursachen.

Damit sich die Pflege der Bäume langfristig lohnt, spielt deshalb die Vermarktung der Früchte eine wichtige Rolle. Hochstamm-Kirschen können frisch verkauft oder unter anderem zu folgenden Produkten verarbeitet werden:

  • Kirsch und andere Spirituosen
  • Fruchtsäfte und Sirupe
  • Konfitüren
  • Backwaren und Desserts
  • weitere regionale Spezialitäten

Eine gute Wertschöpfung aus den Früchten schafft einen wirtschaftlichen Anreiz, bestehende Bäume zu pflegen und neue Hochstammbäume zu pflanzen.

Hochstamm-Kirschbäume richtig pflegen

Ein Hochstamm-Kirschbaum benötigt einen geeigneten Standort und eine fachgerechte Pflege. Besonders in den ersten Jahren wird die Grundlage für eine stabile und gut aufgebaute Krone geschaffen.

Der richtige Standort

Kirschbäume bevorzugen grundsätzlich sonnige Standorte. Wichtig sind zudem geeignete Bodenverhältnisse und ausreichend Platz. Bereits bei der Pflanzung sollte berücksichtigt werden, dass sich ein Hochstamm im Laufe der Jahre zu einem grossen Baum entwickeln kann.

Eine stabile Krone aufbauen

Junge Bäume benötigen einen fachgerechten Erziehungsschnitt. Ziel ist eine stabile und ausreichend belichtete Krone. Bei älteren Bäumen stehen die Erhaltung der Kronenstruktur und die Entfernung problematischer Äste im Vordergrund.

Starke Eingriffe bei grossen oder alten Hochstammbäumen sollten mit Bedacht durchgeführt werden. Bei Unsicherheit empfiehlt sich die Beurteilung durch eine Fachperson.

Krankheiten und Schädlinge beobachten

Auch Kirschbäume können von Krankheiten und Schädlingen betroffen sein. Regelmässige Kontrollen helfen dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Welche Massnahmen sinnvoll sind, hängt von der jeweiligen Ursache, dem Standort, dem Alter des Baumes und seiner Nutzung ab.

Warum sind viele Hochstamm-Obstgärten verschwunden?

Die Schweizer Landwirtschaft und der Obstbau haben sich stark verändert. Kleinere Baumformen ermöglichen eine einfachere Pflege und effizientere Ernte. Dadurch verloren traditionelle Hochstammbäume vielerorts an wirtschaftlicher Bedeutung.

Zusätzlich verschwanden Bestände durch Bautätigkeit, Veränderungen der landwirtschaftlichen Nutzung und die Aufgabe alter Obstgärten.

Mit jedem verschwundenen Obstgarten kann nicht nur ein charakteristisches Landschaftselement verloren gehen. Auch Lebensräume und regionaltypische Obstsorten können davon betroffen sein.

Förderung von Hochstammbäumen in der Schweiz

Der Erhalt von Hochstamm-Feldobstbäumen wird in der Schweiz unter bestimmten Voraussetzungen unterstützt. Sie gehören zu den anerkannten Biodiversitätsförderflächen der Schweizer Landwirtschaft.

Für entsprechende Beiträge müssen die gesetzlichen Anforderungen erfüllt werden. Dazu gehören unter anderem Vorgaben zu Stammhöhe, Baumpflege und Bewirtschaftung. Für höhere Qualitätsstufen gelten zusätzliche Anforderungen an die ökologische Qualität und die Umgebung der Bäume.

Was ist Hochstamm Suisse?

Hochstamm Suisse ist ein Schweizer Verein, der sich für Hochstamm-Obstbäume und die Vermarktung ihrer Früchte einsetzt. Ein wichtiges Ziel ist es, den Hochstammanbau durch eine wirtschaftlich interessante Nutzung der Früchte langfristig zu erhalten.

Der Verein vergibt das Label «Hochstamm Suisse». Für entsprechend ausgezeichnetes Obst gilt, dass die Früchte zu 100 % von Schweizer Hochstammbäumen stammen. Produzenten und Verarbeiter müssen die Richtlinien von Hochstamm Suisse erfüllen und werden kontrolliert.

Damit verbindet das Label verschiedene Ziele: die Erhaltung der Hochstammbäume, die Förderung der Biodiversität, den Schutz der Schweizer Kulturlandschaft und eine bessere Wertschöpfung für die Produzentinnen und Produzenten.

Von der Schweizer Kirsche zum Chriesisteisäckli

Bei der Verarbeitung von Kirschen bleiben neben dem Fruchtfleisch auch die Kirschsteine zurück. Diese können gereinigt, getrocknet und sinnvoll weiterverwendet werden.

Auch für unsere echten Chriesisteisäckli verwenden wir Kirschsteine aus dem Schweizer Hochstamm-Umfeld. Dadurch erhält ein natürlicher Bestandteil der Kirsche eine weitere Verwendung.

Fazit: Hochstamm-Kirschbäume sind wertvoll für die Schweiz

Hochstamm-Kirschbäume verbinden Landwirtschaft, Tradition, Landschaftspflege und Biodiversität. Sie liefern Früchte, können traditionelle Sorten erhalten und bieten insbesondere im Alter wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tiere.

Damit diese charakteristischen Bäume auch künftig zur Schweizer Kulturlandschaft gehören, braucht es fachgerechte Pflege, Neupflanzungen und eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung der Früchte. Die Schweizer Biodiversitätsförderung und Organisationen wie Hochstamm Suisse leisten dazu einen wichtigen Beitrag.

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